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Katholikentag, ein Insider erzählt!

Einige haben es gewusst, für viele wird die ganz besondere Verbindung, die unsere Gemeinde zum Katholikentag hatte, neu sein. Gabriel Kreilkamp aus unserer Gemeinde (engagiert in der Messdienerarbeit, Firmvorbereitung...) war in vorderster Reihe in der Organisation des Großevents mit dabei, er leistete ein freiwilliges soziales Jahr beim Katholikentag. Heute, einen Monat nach dem Ende dieses großen Katholikentreffens erreicht uns sein Bericht. Eine tolle Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen eines solchen Großereignisses zu schauen. Danke Gabriel Kreilkamp!

Ein freiwilliges soziales Jahr beim Katholikentag. Katholikentag?? Ein Begriff, mit dem ich vor anderthalb Jahren absolut nichts anfangen konnte. Und nun, anderthalb Jahre später, wohne ich bereits seit 9 Monaten in Münster, habe eine Stelle als FSJ’ler in der Geschäftsstelle des Katholikentags angetreten und blicke auf eine Veranstaltung mit 90.000 Teilnehmenden zurück, die ich logistisch und infrastrukturell mit vorbereitet habe. Schon Wahnsinn, wenn man sich das so einmal vor Augen führt.

Im vergangenen Jahr, als ich das Abitur absolviert hatte und nun die Entscheidung anstand, wie ich meinen weiteren Lebensweg gestalten möchte, war ich stets in dem Bestreben ein Studium zu beginnen. Aber bevor ich mich nun von der Schule direkt ohne Unterbrechung an die Universität begebe, dachte ich, dass es doch schön wäre, eine Pause von diesem andauernden Rhythmus „Lernen-Klausur-Lernen-Klausur-Lernen-Klausur“ einzulegen. Ein Jahr Auszeit, in dem ich die Möglichkeit habe, etwas Praktisches zu machen, ganz neue Erfahrungen zu sammeln und meine eigenen Fähigkeiten, meine Stärken und Schwächen nochmal besser kennen zu lernen. Gerade in Bezug auf die Entscheidungsfindung meines späteren Studiums empfand ich dies als sehr nützlich.

Durch meinen Bruder, der selber ein FSJ absolviert hatte, bekam ich den Anstoß, mir mal über die Möglichkeit eines freiwilligen sozialen Jahres Gedanken zu machen, welches mit seinen zahlreichen, unterschiedlichen Einsatzgebieten allerlei Möglichkeit für ein abwechslungsreiches Jahr bietet. Die wichtige Frage, die sich mir dann stellte, war natürlich: Wo sollte ich mein freiwilliges soziales Jahr leisten? Wo kann man überhaupt alles ein freiwilliges soziales Jahr leisten? In den meisten Fällen sind FSJ’ler in caritativen Einrichtungen mit dem Schwerpunkt Pflege eingesetzt. Da ich aber trotz allen Respekts für diese Arbeit bereits früh wusste, dass ein solche Einsatzstelle nicht für mich in Frage kommt, dachte ich weiter nach und suchte nach FSJ-Stellen, die mich interessierten. Amüsant, dass es dann wirklich reiner Zufall war, im Internet auf die Seite mit dem Stellenangebot des Katholikentags zu stoßen.

Das was ich dort dann las, war so komplett anders als all das, was ich bisher gelesen hatte: Vorbereitung einer Großveranstaltung mit mehreren zehntausenden Teilnehmern, Unterstützung in der täglichen Versorgung der Geschäftsstelle, Planung von Mitwirkenden, Helfenden und Teilnehmenden, Betreuung eines eigenen Projektes und und und… . Also im Prinzip genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Und auch wenn ich noch nie etwas vom Katholikentag gehört, geschweige denn einen Katholikentag besucht hatte, war ich sofort Feuer und Flamme. „Da könnte ich mich ja mal bewerben“, dachte ich damals. Gesagt, getan. Natürlich gab es im Anschluss noch einige Hürden zu überwinden, wie zum Beispiel die Bewerbung beim Katholikentag mit einem zugehörigen Vorstellungstag oder auch die Suche nach einem Wohnort für diese Zeit. Diese Hürden konnte ich jedoch glücklicherweise alle meistern und ein paar Monate später saß ich dann tatsächlich hier in Münster, als FSJ’ler in der Geschäftsstelle des Katholikentags und trat voller Vorfreude meinen ersten Arbeitstag an.

Die Eingewöhnung in Münster fiel mir durch die netten Leute und die freundliche Atmosphäre, die mir sowohl von meinen Mitbewohnern als auch von meinen Arbeitskollegen gleich zu Beginn vermittelt wurde, relativ leicht. Natürlich war es eine ungewohnte Situation für mich: das erste Mal weg von zuhause und in einer vollkommen fremden Stadt, aber es war auch spannend, sich selbst zurecht finden zu müssen. Und die Zeit verging schneller als gedacht. Sehr früh wurde ich in meinem FSJ schon in vielseitige Arbeiten eingebunden und konnte bereits eigene Projekte übernommen. Einem wurde auch von Tag zu Tag immer mehr bewusst, welch immenser Aufwand im Hintergrund zu leisten ist, damit eine Veranstaltung von der Größenordnung eines Katholikentags überhaupt zu stemmen ist.

Erst langsam verstand ich, warum die Geschäftsstelle bereits 2 Jahre vor der eigentlichen Veranstaltung eingerichtet wurde und zum höchsten Stand 50 hauptamtliche Mitarbeiter für die gesamte Vorbereitung zuständig waren. Besonders die Klausurtagungen, an denen alle Mitarbeitenden teilnahmen und nochmal die verschiedenen Funktionsbereiche erläutert und Schnittstellen deutlich gemacht wurden, waren insofern sehr hilfreich, dass sich die Vernetzung zwischen den einzelnen Bereichen herauskristallisierte und man spürte, dass man als Team wirklich gemeinsam an diesem großen Prozess arbeitete.

Und so flogen die Wochen in Windeseile vorbei und es war spürbar, wie von Woche zu Woche der Stresspegel in der Geschäftsstelle und verbunden damit das Arbeitspensum der Mitarbeitenden anstieg. Ich erinnere mich gut an unsere letzte Klausur vor der Durchführung als eine Kollegin mal spontan vorrechnete, wie viele reine Arbeitstage es noch bis zum Katholikentag sein und alle Mitarbeitenden unabgesprochen in perfekter Synchronität die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.

Gerade solche kuriosen Momente brachten immer wieder eine Heiterkeit in die Runde, so dass mir die Arbeit trotz der Strapazen zu jedem Zeitpunkt machte. Für mich war in dieser Zeit vor allem immer bemerkenswert, dass ich stets als vollwertiger „Kollege“ bezeichnet und auch so behandelt wurde und dass ich wie schon erwähnt eigene Projekte übernehmen durfte, die ich eigenständig betreute. Eines dieser Projekte war die Verortung, Konzipierung und Gestaltung sogenannter „Programminformationstürme“, die während des Katholikentags in der ganzen Münsteraner Innenstadt verteilt standen und den Teilnehmenden als Informationspunkt zum Katholikentagsprogramm und als Wegweiser zu den einzelnen Veranstaltungsorten dienten. Eine sehr umfangreiche Aufgabe, von der ich nie gedacht hätte, dass sie mir als (ungelerntem) FSJ’ler so vertrauensvoll zugewiesen wird.

Allein diese Tatsache hat mich während der Zeit zusammen mit vielen anderen, kleinen Aspekten immer wieder in meinem Denken bestärkt, dass ein FSJ beim Katholikentag die zu 100 Prozent richtige Entscheidung war.

Im Mai kam dann nach fast 2 Jahren Vorbereitungszeit und etlichen Überstunden der große Moment: Am 9. Mai begann mit der großen Eröffnungsfeier auf dem Domplatz endlich der 101. Deutsche Katholikentag. Schon Tage zuvor hatte sich unser Team durch viele Ehrenamtliche noch einmal massiv vergrößert, die uns in der Durchführung als Assistenzen, Objektleiter, Beobachter oder in anderweitigen Funktionsbereichen unterstützten. Die Geschäftsstelle wurde dazu massiv umstrukturiert, da sich während der Durchführung die Schnittstellen zwischen den Mitarbeitenden nochmal verschoben und so andere Bürokonstellationen notwendig waren. Für mich hieß das, dass ich mein liebgewonnenes Büro im ersten Stock mit Couch und Balkon verlassen musste und in die Organisationsleitung des Katholikentags umzog. In der Orgaleitung saßen während der Durchführung sämtliche Bereichsleiter, deren Assistenzen sowie Mitarbeiter, deren Funktionsbereiche große und umfassende Relevanz innehatten. Für mich war es daher umso außergewöhnlicher und überraschender, als FSJ’ler in diesem Gremium zu sitzen und die Aufgaben „Wetterüberwachung“ und „Objektradar“ zu übernehmen.

Konkret hieß dies, dass ich mit dem Deutschen Wetterdienst in Kontakt stand und das Wetter mit dem Fokus auf die Regen- und Gewitterentwicklung beobachtete, um bei einer Wetterwarnung schnell reagieren zu können und unsere zuständigen Objektleiter an den Veranstaltungsorten darauf aufmerksam zu machen, ihre Aufbauten wetterfest zu machen und beispielweise einem Gewitter die Teilnehmenden auf die Gefahr aufmerksam zu machen und in Sicherheit zu bringen.

Bei meinem zweiten Funktiosbereich, dem „Objektradar“, handelt es sich um ein digitales Tool, welches verwendet wird, um den Befüllungsgrad an unseren Veranstaltungsorten zu erfassen. Unsere Funktionäre vor Ort konnten über die Katholikentagsapp die Füllstände direkt an mich in die Orgaleitung übersenden und wurden zusätzlich noch durch einen weiteren Mitarbeiter über Funk abgefragt. Dank dieser übermittelten Daten hatte ich zu jedem Zeitpunkt auf einem großen Bildschirm den Gesamtüberblick über den Befüllungsgrad unserer Veranstaltungen und konnte bei einer drohenden Überfüllung sofort Gegenmaßnahmen einleiten, um den weiteren Zulauf von Teilnehmenden zu diesem Veranstaltungsort zu verhindern. Dieses Tool hatte ich zusammen mit unserem IT-Dienstleister über die Wochen und Monate gemeinsam entwickelt und nun kam man an den Punkt, an dem man dieses Programm im wirklichen Ernstfall austesten und es nochmal auf Herz und Nieren prüfen konnte.

In diesem Moment dachte ich mir: „Wow, das habe ich mit erarbeitet und dafür bin ich nun verantwortlich.“ Ein Gefühl, welches mich schon etwas stolz werden ließ.

Mit diesen beiden Zuständigkeiten betraut, ließ ich die Durchführungstage des Katholikentags mit Vorfreude auf mich zukommen. Auch wenn ich im Vorhinein manchmal die Sorge hatte, ob sich die auftauchenden Probleme denn alle für mich bewältigen lassen und nicht irgendwann zu dem Punkt gelange, an dem man sich denkt: „Jetzt geht es nicht mehr. Hier kann ich nicht mehr problemlos weitermachen.“. Zum Glück kam dieser Moment jedoch nicht. Vielmehr war ich einfach überwältigt von diesem regen Treiben in Münster, von 90.000 Teilnehmenden (zzgl. den Menschen, die ohne Veranstaltungsticket in der Stadt unterwegs waren und sich die Veranstaltungen und Angebote in der Innenstadt ansahen) und der Stimmung in der Stadt.

Mein schönster Katholikentagsmoment war wohl, als ich am Mittwochabend noch zu recht später Stunde eine kleine Runde durch die Stadt drehte und an der effata-Kirche vorbeischaute, wo gerade die effata-Band spielte. Die Leute in der Kirche sangen mit, klatschten im Takt und tanzten zur Musik mit solch einer Freude und Begeisterung, dass ich Gänsehaut bekam und mir bewusst wurde, was wir alle geleistet hatten und es sich allein für diesen einen Augenblick, in dem all die Leute in der Kirche gerade zur Musik feierten, gelohnt hatte.

Gerade in diesen Tagen, mit den frischen Erinnerungen im Kopf, blicke ich erschöpft aber dankbar auf einen schönen und friedvollen Katholikentag ohne größere Komplikationen zurück und mit etwas weiterem Blick auf eine Zeit, die mir schon jetzt unglaublich viel gegeben hat und mich auf so vielen Ebenen bereicherte, wie ich es vor einem Jahr nie für möglich gehalten hätte. Diese Zeit war sicherlich eine der spannendsten und erlebnisreichsten in meinem bisherigen Leben und die Entscheidung ein freiwilliges soziales Jahr in der Geschäftsstelle des Katholikentags zu absolvieren, zähle ich zu den besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.