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Aktuelle Situation in Aleppo

Bericht über unser Engagement für das Hospital des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Syrien. - Unterstützung der Gesundheitsdienste des internationalen Flüchtlingsdienstes der Jesuiten in Aleppo

Die Situation:
Die Not der kriegsbetroffenen Menschen in Syrien ist im siebten Jahr des Konflikts noch größer geworden. Offiziell gilt der Krieg als beendet, jedoch ist die Regierung Assad dank russischer und iranischer Unterstützung in ihrer Macht gefestigter denn je. Weil allerdings politisch nichts gelöst ist, agieren die Milizen von "Daesh" (arabisch für "Islamischer Staat"), Hai'at Tahrir al-Sham und andere weiter.

Die politische Situation 
Die Verhandlungsversuche der Vereinten Nationen und der Parallelprozess im kasachischen Astana unter Federführung Russlands sind gescheitert. Die syrische Regierung hat sich als Verhandlungspartner in vieler Hinsicht diskreditiert, insbesondere dadurch, dass sie sich an die vereinbarten Deeskalationszonen nicht hält. Weiterhin verstoßen tagtäglich alle Beteiligten gegen das humanitäre Völkerrecht. Allerdings ist dabei die syrische Regierung hauptverantwortlich für die weiteren Bombenangriffe, Belagerung von Städten, Zwangsumsiedlung und Inhaftierung von Personen, die dem Regime nicht opportun sind. Angesichts von Not, Angst und Unsicherheit sehen viele für sich eine Perspektive nur außerhalb Syriens. Ein weiterer zentraler Grund für die Emigration ist die Zwangsrekrutierung von Männern durch die syrische Armee sowie anderer Militäreinheiten. Angesichts des weiteren Anstiegs der Flüchtlingszahlen haben mittlerweile der Libanon, die Türkei und Jordanien die Grenzen geschlossen, weil sie die Stabilität in ihren Ländern gefährdet sehen. Außerdem ist es für syrische Flüchtlinge schwieriger geworden, in anderen Ländern Asyl zu bekommen, wie die Entwicklungen in Europa zeigen. Vor diesem Hintergrund erfordert die Situation einmal mehr, den Blick auf die Millionen in Syrien lebenden Menschen zu richten. Die Situation des Gesundheitssystems Nach sechs Kriegsjahren ist das öffentliche Gesundheitssystem nahezu kollabiert. Laut Angaben der Vereinten Nationen haben landesweit 11,5 Millionen Menschen, darunter fünf Millionen Kinder, keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. In Damaskus und dem weiteren Einzugsgebiet sind davon mindestens 1,5 Millionen betroffen. Die ohnehin seit Jahren unzureichende Gesundheitsversorgung verschlechtert sich weiter weil Personal und Mittel fehlen. Seit Beginn des Konflikts wurden Gesundheitseinrichtungen gezielt bombardiert. Die Vereinten Nationen schätzen, dass landesweit höchstens die Hälfte der öffentlichen Gesundheitseinrichtungen arbeitsfähig sind, dabei stehen viele Leistungen nur eingeschränkt zur Verfügung. 30 % mussten ihren Betrieb ganz schließen. In der Folge sind Tausende vermeidbare Todesfälle aufgrund von nicht behandelten Verletzungen und Krankheiten zu beklagen. Die verfügbaren Gesundheitseinrichtungen arbeiten unter extremen Bedingungen aufgrund von Engpässen der Strom- und Wasserversorgung sowie Problemen der Abwasserentsorgung. Mehr als die Hälfte des medizinischen Personals hat das Land verlassen, nicht zuletzt aufgrund des Risikos von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen, das nach wie vor besteht. Auch die ehemals wichtige Pharmaindustrie wurde gezielt bombardiert. Die Produktion der Betriebe ist um 70 % eingebrochen, entsprechend haben sich die Kosten für Arzneimittel nahezu verdoppelt. In der Folge kommt es zu großen Problemen bei vielen chronischen Erkrankungen (wie z. B. Diabetes-, Nieren- und Herzkreislauferkrankungen etc.). Wenn die Betroffenen nicht behandelt werden können, kann es zu lebensgefährlichen Krankheitsverläufen kommen. Dies gilt auch für die mangelhafte Versorgung von Kriegsverletzten. Es wird befürchtet, dass mindestens 30 % von ihnen bleibende Schäden davontragen werden. Auch Schwangere und Kinder sind problematisch unterversorgt. Durch fehlende Hygiene nehmen allerorts übertragbare Krankheiten zu. Es kommt hinzu, dass trotz des enormen Bedarfs an medizinischer Versorgung die Behörden den lokalen und internationalen Organisationen die Arbeit erschweren.


Die wirtschaftliche Situation 
Durch Krieg und Vertreibung hat die Mehrheit der Bevölkerung ihre Lebensgrundlage verloren. Die wirtschaftliche Situation ist vergleichbar mit der in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten für die Deckung der Grundbedürfnisse allerorts an. Vier von fünf Syrer(inne)n leben in Armut. In Aleppo haben mindestens 2,2 Millionen Menschen keine ausreichende Basisgesundheitversorgung. Die schlimmsten Kämpfe in Aleppo und den angrenzenden Regionen haben zwar aufgehört, aber die humanitäre Situation spitzt sich weiter zu. Weil die Regierung die ohnehin knappen Ressourcen vor allem für den Militärapparat einsetzt (Waffen, Versorgung der Soldaten), gibt es staatlicherseits kaum erkennbare Wiederaufbaumaßnahmen. Außerdem fehlen bezahlbare Lebensmittel. Die daraus resultierenden Probleme und der tägliche Kampf um das Überleben zehren an den Kräften der Menschen. Die Erfahrungen von Gewalt, Flucht, Verlust von Angehörigen und die ungewisse Zukunft führen die kriegsbetroffene Bevölkerung an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

 

Der Gesundheitsdienst der Jesuiten in Aleppo 
Der Basisgesundheitsdienst des "Jesuit Refugee Service" (JRS) in Aleppo besteht seit 2013. Seit Juli 2016 hat JRS die Poliklinik im Stadtteil Azizeh eingerichtet. Azizeh grenzt unmittelbar an den lange belagerten Ostteil der Stadt, dadurch konnte JRS seit Ende letzten Jahres einen Beitrag zur Unterstützung für die geflohene und umgesiedelte Bevölkerung leisten. Im letzten Jahr zeigte sich, dass der im komplett zerstörten Ostteil der Stadt gelegene Teil Al Sakhour außer gelegentlichen Mobilambulanzen keinen Zugang zu Basisgesundheitsdiensten hat. Aus diesem Grund eröffnete JRS eine kleine Gesundheitstation in Al Sakhour. JRS stimmt sich mit dem syrischen Roten Kreuz (SARC), den wenigen noch funktionierenden staatlichen Diensten sowie internationalen und lokalen Organisationen ab. Zu den Leistungen der JRS-Gesundheitsdienste in Aleppo gehören durch ein Überweisungssystem die allgemeinmedizinische Versorgung (vor allem chronischer Erkrankungen), Vor- und Nachsorge von Schwangeren und die Behandlung von Kindern. Für alle weitergehenden Untersuchungen und Behandlungen arbeitet JRS mit anderen vor allem karitativen Praxen/Krankenhäusern zusammen. JRS richtet sich an die vom Krieg besonders betroffenen Familien und Einzelpersonen. Der Großteil von ihnen hat kein Einkommen mehr oder verfügt nur über unregelmäßige Einkünfte. Gleichzeitig haben sich die Lebenshaltungskosten vervielfacht. Alle Leistungen der Gesundheitsdienste sind kostenlos, so dass JRS auf externe finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Bis Jahresende 2017 wurden mindestens 12.000 Patient(inne) versorgt und ein Überweisungssystem durch die regelmäßige Koordination mit dem syrischen roten Kreuz (SARC), der lokalen Caritas und der engen Zusammenarbeit mit den Maristen-Brüdern sowie den privaten Trägern "Al-Ihsan" und "Sondouk Al Afya" wurde aufgebaut. Zudem finden regelmäßige Schulungen des Personals statt. Die Jesuiten leisten somit einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitssituation in Aleppo.