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Mit Flüchtlingen unter einem Dach...

Regina Busch arbeitet mit 15 Geflüchteten unter einem Dach. Sie erzählt uns, wie das ist.

Regina Busch ist die Leiterin des Verbundes der vier Kindertageseinrichtungen unserer Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul. Wir haben sie angesichts der aktuellen Diskussionen in Voerde über die Unterbringung von Flüchtlingen in der Parkschule und in neu zu errichtenden Flüchtlingsheimen nach ihren Erfahrungen mit den Flüchtlingen gefragt.

??? Frau Busch, wie kam es eigentlich dazu, dass Sie in einem Haus arbeiten, in dem 15 junge Männer leben, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind?

Ich habe im Februar 2015 als Kita-Verbundleitung für die Kirchengemeinde St. Peter und Paul zu arbeiten begonnen. Mein Büro wurde im ehemaligen Pfarrhaus der Gemeinde St. Barbara in Möllen eingerichtet. Dort wurde der Raum des ehemaligen Pfarrbüros nicht mehr benötigt und durch mich "reaktiviert". Im Haus lebten zu dem Zeitpunkt noch die beiden Ordensschwestern der Kirchengemeinde. Im Sommer 2015 verstarb Sr. Ingeburg, so dass Sr. Margoretta (um nicht ganz alleine leben zu müssen) im November 2015 Möllen verließ, um nach Münster in das Mutterhaus ihres Ordens zurückzugehen. Da zur gleichen Zeit die Stadt Voerde dringend auf der Suche nach Wohnraum für Menschen war, die als Flüchtlinge nach Voerde kamen, bot die Kirchengemeinde kurzfristig der Kommune dieses Haus zur Miete an. Ausgenommen meines Büros, welches sich vorgelagert zu dem Wohnbereich befindet.

??? Woher stammen die Flüchtlinge?

Puh, das kann ich im Detail gar nicht so genau sagen. Es ziehen immer mal wieder Bewohner aus, kurz darauf neue ein.... Ich weiß nur dass hier schon viele unterschiedliche Nationalitäten vertreten sind (Irak, Tadschikistan, Südafrika...). Ich habe nicht zu allen Bewohnern viel Kontakt, wir grüßen uns und hier und da ergibt sich ein Gespräch.

??? Hatten Sie eigentlich Bedenken, dort ihr Büro zu haben?

Ja, ich gebe zu, dass ich die Ankündigung seitens meines Chefs zunächst nicht ausschließlich positiv empfunden habe, als er mir sagte dass das Haus neu vermietet würde und die Stadt Voerde hier eine Unterkunft für Flüchtlinge einrichten würde. Meine Sorgen bezogen sich zum einen auf den zu erwartenden Lautstärkepegel (bei der Vorstellung dass hier so viele Menschen einziehen würden), und zum anderen auch auf die Tatsache dass ich nicht so wirklich wusste, wie es sein würde, möglicherweise nur mit jungen Männern unter einem Dach zu "leben", als Frau... blond.... Kurz danach gingen auch die Meldungen zur Kölner Silvesternacht 2015/2016 durch die Medien, welche meine Sorgen nicht unbedingt positiv bedingt haben.

??? Was sind denn die größten Probleme im Zusammenleben?

Ehrlich gesagt gibt es keine! Zumindest keine, die ich beispielsweise mit männlichen oder auch weiblichen Studierenden, oder sämtlichen anderen Nachbarn nicht auch haben könnte. Ja, es ist manchmal störend, das Müll nicht korrekt entsorgt wird, Zigarettenkippen vor der Türe liegen, der Hausflur schmutzig ist. Ich kenne aber kein Haus, in dem mehrere Parteien leben, wo es nicht diese oder ähnliche Probleme gibt.

??? Wie würden Sie das Miteinander insgesamt beschreiben? 

Wenn ich einen Überbegriff finden müsste, dann würde er lauten: "unkompliziert!": Die "Jungs" grüßen freundlich, hier und da kommt man ins Gespräch, manche sind sehr aufmerksam, manchmal liegt was rum oder bleiben Türen offen (meine Freundin würde sagen "typisch Männer!" ;-)). Oft riecht es schon morgens oder mittags nach köstlichem Essen, manchmal ist es laut... ich glaube es wäre nicht anders wenn hier eine Gruppe von Jura-Studenten leben würde. Oder Pflege-Schülerinnen. Oder oder oder...

Ich habe die Zeit, in der ich hier (von ca. November bis April) ganz alleine im Haus war, als wesentlich unangenehmer empfunden! Was ich sehr bemerkenswert finde: die Lautstärke (obwohl hier zeitweise um die 15 Personen leben) ist so minimal, dass ich mich selbst beinahe wundere. Und wenn die "Jungs" manchmal vergessen, dass ich da bin und sich vor meiner Türe etwas lebhaft verhalten, gehe ich kurz raus um mich in Erinnerung zu rufen. Das passiert sehr problemlos und ich empfinde die Jungs als äußerst respektvoll und nett sowie hilfsbereit mir gegenüber.

??? Wie geht es Ihren Hausnachbarn, fühlen sie sich in Voerde wohl? Haben Sie Heimweh?

Davon bekomme ich nicht wirklich mit. Ich bin ja in erster Linie hier um meine Arbeit zu schaffen, und wenn diese getan ist fahre ich nach Hause. Viel Zeit um Kontakte zu knüpfen bleibt da nicht. Ich habe hier und da mitbekommen, wenn bei einigen von ihnen eine Entscheidung der Ausländerbehörde angestanden hat. Die Angst davor war förmlich spürbar im Haus. Ich war auch schon dabei als einer der "Jungs" seinen positiven Asylbescheid bekommen hat und er vor Freude geweint hat, da musste ich direkt mit weinen. Ich glaube, sich in Deutschland zurecht zu finden (das fängt schon bei so "einfachen" Dingen wie Mülltrennung an), ist echt nicht leicht, und die Sprache zu lernen ist auch eine echte Herausforderung.

??? Bekommen Sie etwas von den Nachbarn ringsum mit? Von Kontakten oder auch von Schwierigkeiten?

Ich habe nur zu Beginn (bevor das Haus bezogen wurde) von sehr bösen und menschenverachtenden Kommentaren gehört, das hat mich sehr traurig gemacht. Davor hatte ich ehrlich gesagt am meisten Sorge, dass sich hier rechte Gewalt breit machen könnte. Aber ich glaube, dass auch hier nichts "so heiss gegessen wurde wie es gekocht wird", soll heißen: Die "Jungs" fallen meiner Meinung nach nicht wirklich auf. Und wenn dann durch ihre Freundlichkeit.

??? In Voerde werden gerade Standorte für Flüchtlingswohnungen diskutiert. Was würden Sie den Nachbarn erzählen? Welche Sorgen sind berechtigt? Welche eher nicht?

Ich würde diesen Menschen gerne anbieten mit mir in Kontakt zu treten und mir Fragen zu stellen bzw. sich hier ein Bild davon zu machen.

!!! Sie können Fragen an Frau Busch gerne per e-mail senden: busch-re@bistum-muenster.de.