Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul VoerdeGemeinde St. Elisabeth FriedrichsfeldGemeinde St. Paulus Voerde/MöllenGemeinde St. Peter Spellen

Predigt

Weltmissionssonntag 2020 - Predigt von Pfarrer Wilhelm Kolks am 25.10.2020 in St. Peter Spellen

Predigt am 2. Weihnachtstag 2019 - Fest des Hl. Stephanus

L: Apg 6-7
Ev: Joh 1,1-18

Im Kino kann man es schon erleben: Filme in 3D.
Dazu muss man sich nur eine Pappbrille aufsetzen mit entsprechenden Folien und dann erlebt man den Film nicht nur in Höhe und Breite, sondern er gewinnt Tiefe - eben 3D. Drei Dimensionen.
Natürlich ist das nur eine Illusion, weil unser Gehirn mit seiner Fähigkeit Räume dreidimensional wahrzunehmen ausgetrickst wird, aber jede und jeder, die oder der so einen 3D-Film schon mal gesehen hat, wird begeistert sein.
Ich bin überzeugt, dass sich 3D im Kino, im Fernsehen durchsetzen wird, genauso wie der Tonfilm den Stummfilm und der Farbfilm den Schwarzweißfilm ablöste. Dem dreidimensionalen Film gehört die Zukunft.
Nur komisch, dass wir uns in anderen Bereichen unseres Lebens auf eine Eindimensionalität beschränken!
Die Dimension GOTTES, die Dimension des Himmels scheint vielen abhandengekommen zu sein. Aber genau darum geht es ja Weihnachten und auch an diesem zweiten Weihnachtstag, wo Stephanus, der erste Märtyrer der Kirche „den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten GOTTES“ sieht.
Christen, so die Botschaft des Stephanus, leben nicht eindimensional. Sie beschränken sich nicht darauf zu glauben, dieses Leben, unsere Existenz beschränke sich auf die Zeitspanne zwischen Zeugung und Tod, sondern sie glauben, dass unser Leben die Dimension des Ewigen, des Himmels hat.
Und dieser Glaube, diese Art unser Leben anzuschauen, verändert alles!
Wer nicht glaubt, dass sein Leben im Tod wie an einer Mauer zerschellt,
wer nicht glaubt, dass der Tod unsere Existenz, unsere Persönlichkeit, das was uns im tiefsten Wesen geprägt hat, auslöscht,
wer nicht glaubt, dass das, was ich getan habe, die Entscheidungen, die ich traf, das was mich betroffen hat und mich so werden ließ, wie ich bin, eigentlich belanglos ist - wer das alles nicht glaubt, die oder der kann anders leben!
Genau das sehen wir an Stephanus. Er musste nicht aus seinem Leben alles herauspressen, was ihm das Leben bot, aus Angst etwas zu verpassen. Die Dimension des Himmels ließ ihn „verschwenderisch“ mit seiner Lebenszeit umgehen. „Verschwenderisch“ zumindest in den Augen deren, denen diese Dimension abgeht.
Er stellte sich in den Dienst an den Armen der Gemeinde, so erzählt uns die Lesung. Nicht, weil er sich das ausgesucht hätte, sondern weil die Gemeinde überzeugt war, dass er für diesen Dienst der Richtige sei.
Die Dimension des Himmels ließ ihn auch wagemutig sein, ja er redete sich buchstäblich „um Kopf und Kragen“, weil er keine Angst hatte den Mund zu halten. Er legte sich mit den Autoritäten an, weil er überzeugt war, dass über sein Leben GOTT und Menschen letztlich richten würden.

Wenn wir auf ihn, auf Stephanus schauen, bekommen wir eine Ahnung von dem, was der Prolog des Johannesevangeliums, den wir heute als Evangelium hören, mit den Worten ausdrückt: „Allen aber, die IHN aufnahmen, gab ER die Macht, Kinder GOTTES zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12)
Wer sich als Kind GOTTES sehen kann, wer die Dimension GOTTES für sein Leben hat, wer dem vertraut, der uns selbst aus dem Tod retten kann, die und der können anders leben!
Leben ohne Angst zu kurz zu kommen, nur weil ich meine Lebenszeit auch für andere einsetze,
Leben ohne Angst etwas zu verpassen, nur weil ich so gelebt habe, wie es anderen nicht passt.
Leben ohne Angst, dass der Tod mir das Leben nimmt, sondern leben im Vertrauen, dass in meinem Sterben mir alles geschenkt und alles vollendet wird.

An Stephanus können wir ablesen, was uns Weihnachten geschenkt wurde: Die Dimension des Himmels, die Dimension GOTTES, die Dimension des wahren Lebens!
Eines Lebens, das nicht auf der Flucht vor dem Tod ist, sondern unterwegs ist und dem entgegen, der uns sagt: „Ich bin die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, außer durch mich.“

Pastor Wilhelm Kolks

Weihnachtspredigt 2019

L: Jes 9,1-6
Ev: Lk 2,1-14

Es gibt ein Foto in diesem Jahr, das mich besonders berührt hat:
Da sitzt Greta Thunberg auf dem Rückweg von der Weltklimakonferenz in Madrid zwischen Gepäckstücken auf dem Boden eines überfüllten deutschen ICE Zuges.

Ein Schicksal, das sie mit tausenden Fahrgästen jeden Tag teilt.
Was mich an diesem Bild so anspricht, ist die Tatsache, dass diese junge Generation, für die Greta Thunberg steht, offenbar bereit ist, auf Komfort zu verzichten, um ihren Zielen treu zu bleiben.
Ich gestehe, dass ich, nachdem ich 2017 auf meinem Rückweg vom Jakobsweg in Spanien eine Nacht auf einer Parkbank vor einem Bahnhof verbringen durfte, dann 2018 lieber den Flieger nach Spanien genommen habe.
Viele der jungen Leute in der Generation von Greta Thunberg scheinen mir da konsequenter zu sein.

Ein Foto von der Initiatorin der „Fridays for Future“ hat uns in St. Elisabeth durch den Advent begleitet und in St. Peter stand vor dem Altar eine Tafel mit dem Wort des Propheten Jesaja:
„Seht her, nun mach ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,19)

Ja, ich glaube, auch heute 2019 kommt Neues zum Vorschein, bricht etwas auf, was mich hoffnungsfroh macht. Zwar werden mit dem Brexit Anfang des neuen Jahres die Briten die Europäische Union verlassen, aber das scheint mir zutiefst reaktionär und rückwärtsgewandt zu sein. Auch in England wollen die junge Generation international leben. Sie wollen keine neuen Grenzen hochziehen. Einem gemeinsamen Haus Europa gehört die Zukunft, denn auch die Herausforderungen, die sich uns und in Zukunft der jungen Generationen stellen, machen an nationalen Grenzen nicht Halt.
Der Brexit, davon bin ich überzeugt, wird nicht das letzte Wort haben.
Was hat das alles mit Weihnachten zu tun, dem Fest, zu dem wir heute zusammengekommen sind?

Heute feiern wir, dass GOTT in diese Welt gekommen ist, nicht nur in die Welt des Jahres 1, sondern in die Welt des Jahres 2019, in unsere Zeit und Gegenwart. Heute will ER sein Heil wirken, heute soll zum Vorschein kommen, was ER uns an „Neuem“ verheißt.

Aber merken wir das?

Vermutlich tun wir uns damit schwer und das liegt wohl daran, dass GOTT kein Populist ist, der die Schlagzeilen sucht und behauptet: „Wenn ihr mich nur machen lasst, dann werde ich es schon richten!“

Nein, gerade Weihnachten macht mir immer wieder bewusst: GOTT geht andere Wege. Wege, des Unscheinbaren, Verborgenen. Wege, die auch irritieren, die zweifeln lassen.
Deutlich wird das bei Johannes dem Täufer. Der verkündete am Jordan den starken Mann, der da kommen soll, den, der die Axt schon an die Wurzel der Bäume gelegt hat, die keine gute Frucht bringen, den, der trennen wird zwischen Guten und Bösen, zwischen Spreu und Weizen und die Spreu verbrennen wird.
Doch Jesus erfüllt die Erwartungen des Johannes nicht und so lässt der Täufer, als er selbst im Gefängnis des Herodes sitzt, bei Jesus anfragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3)
Eine erschütternde Frage eines Menschen, der ja ganz auf diesen Jesus gesetzt hat. Eine Frage, die Zweifel, Enttäuschung und Unsicherheit verrät, all die Gefühle, die ja auch uns nicht fremd sind:
Wo ist der „Friede auf Erden“, den die Engel verkündeten?
Wo ist das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe? Wo der Sieg des Guten über das Böse? All das, was uns verheißen wurde?

Die Antwort Jesu, wie Matthäus und Lukas sie uns überliefern lautet überraschend:
„Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Toten stehen auf, und den Armen wird die frohmachende Botschaft verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. (Mt 11,5-6)

Offenbar lag Johannes also doch richtig! Jesus ist der, der da kommen soll, aber seine Art und Weise - und damit GOTTES Art und Weise - die Verheißungen zu erfüllen, die alte Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Heilung der Welt vom Bösen - ist eine andere, als Johannes sie sich vorgestellt hat.
Es braucht nur eine Korrektur unseres Blicks, unserer Wahrnehmung.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit über 40 Mitschülerinnen und -schülern im 3. Schuljahr in der Klasse saß und immer bei meinem Mitschüler neben mir abschreiben musste, weil ich an der Tafel nichts mehr erkennen konnte und wie es war, als dann mit einer Brille zum ersten Mal in die Klasse kam und wieder alles sah. Das war ein kleines Wunder.

Ich glaube, auch Weihnachten will uns so etwas wie eine neue Brille verpassen, die uns wieder klar sehen lässt, wie GOTT in unserer Welt sein Heil wirkt. ER greift nicht ein in unsere Geschichte als der große Macher. Nein, GOTT fängt immer klein an, im Unscheinbaren, nämlich immer wieder mit jedem und jeder von uns!
Ja, mit dem Kind in der Krippe, mit Jesus, schenkt ER uns die „Brille“, die uns sehen lässt, wo das „Neue“ beginnt, das schon zum Vorschein kommt, wo GOTTES Reich unter uns erfahrbar Wirklichkeit wird.

Es ist doch erstaunlich, dass auch die Krisen und die Kriege, die Katastrophen und Nöte in mehr als 2000 Jahren die Sehnsucht nach Heil nicht kleingekriegt haben! Immer wieder sind Menschen widerständig gewesen gegen das Unheil oder haben sich in den Dienst des Heils gestellt, selbstlos und erfinderisch, verantwortungsbewusst und liebevoll. Sie begreifen Krisen als Herausforderung und Neues wurde und wird. Selbstverständlich ist das nicht und schon gar nicht natürlich!
Der Hinduismus kennt nur den ewigen Kreislauf des Seins. Hier gilt „Nichts Neues unter der Sonne“, dem Buddhismus geht es um Freiwerden vom Schmerz, um Distanz zur Welt, Christen dagegen finden sich nie mit dem Zustand der Welt ab, sie glauben, dass das Böse, das Leid, der Schmerz, ja sogar der Tod überwunden wird, wo wir uns öffnen für GOTTES Geist. Und das Einfallstor des Geistes GOTTES ist die Sehnsucht nach der neuen Welt GOTTES, die heute schon ihren Anfang nimmt und an der wir mitwirken dürfen.

Wo die Sehnsucht groß wir nach dem umfassenden Frieden mit den Menschen und der ganzen Schöpfung, da ist GOTTES Wirken spürbar. Da dürfen wir es heute schon „sehen“:
wo Menschen nicht mehr taub sind für die Nöte der anderen,
wo sie nicht mehr die Augen schließen vor den Folgen ihres Handelns für die kommenden Generationen,
wo Fremde, die zu uns kommen, nicht wie Aussätzige an den Rand geschoben werden, sondern angenommen und aufgenommen werden,
ja, wo wir selbst für die Toten eine Hoffnung auf neues Leben haben, da schafft GOTT Neues unter uns,
da wird ER auch heute unter uns Mensch, in dem ER uns zu Menschen wer lässt, Menschen, an denen ER sein Wohlgefallen hat, Menschen SEINER Gnade, Menschen, die ER einfach mag, Menschen, die ER wie die Hirten einlädt IHM in einem Menschenkind zu begegnen.

Ob Greta Thunberg Christin ist, weiß ich nicht.
Aber in ihr und in vielen anderen spüre ich die Sehnsucht nach einer Welt, wie GOTT sie will.
Diese Sehnsucht groß werden zu lassen, darauf kommt es an. Das ist der Weg GOTTES mit uns. Der Weg, der mit SEINER Menschwerdung einen Anfang genommen hat.
Diese Sehnsucht feiern wir heute, damit sie groß wird und stark und die Welt rettet.

Pastor Wilhelm Kolks

Predigt von Pastor Wilhelm Kolks am Ostersonntag 2018

Osterpredigt 2018

Geben wir es ruhig zu: das, was gerade als österliches Evangelium gehört haben ist kein „Happy End“ á la Rosamunde Pilcher in einer Fernsehschnulze. Vielmehr gleicht die Szene eher dem Auftakt eines englischen Krimis, nur dass gerade keine Leiche gefunden, sondern die gerade vermisst wird.
Aber die Reaktion der Beteiligten ist dieselbe:
„Da verließen sie das Grab und flohen; denn Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich sehr.“
Eigentlich würde man jetzt einen Kommissar mit seinem Assistenten erwarten, der der Sache auf den Grund geht. Zwar müssten das Duo nicht mehr im Mordfall Jesus von Nazareth ermitteln - da lagen die Fakten ja auf der Hand, ausführlich von den Evangelisten in den Passionsberichten geschildert - aber auch das Verschwinden eines Leichnams ist ein Delikt.
Wo soll man ansetzen, wird sich der Kommissar fragen?
Vermutlich wird er sich zunächst mal die Zeugen - in unserem Fall die Zeuginnen - vorknöpfen. Und die werden ihm berichten, was sie bewegt hatte am Morgen des ersten Tages der Woche in aller Frühe zum Grab Jesu zu gehen. Sie werden erzählen, dass sie die üblichen Bestattungsrituale nachholen wollten, die wegen des Anbruchs des Sabbaths nicht ausgeführt werden konnten.
Sie werden berichten, dass der Rollstein, der das Grab verschloss, schon weggerollt, das Grab offen war und sie in es hinein schauten. Statt des Leichnams hätte da ein junger Mann in einem weißen Gewand gesessen und ihnen gesagt:
„Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. ER ist auferstanden; ER ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.“
Soweit stimmen die Zeugenaussagen überein, höchstens, dass eine der Zeuginnen noch einen weiteren Mann gesehen haben will, wie der Evangelist Lukas berichtet.
Der Kommissar wird sich fragen: Was heißt das: »auferstanden«? Wurde der Leichnam aufgenommen und weggetragen? War Jesus gar nicht tot und hatte das Grab verlassen? Oder ist er gar reanimiert worden? Wer aber hätte Interesse an einem Leichnam? Und dass Jesus tot - mausetot - war, daran bestand kein Zweifel - die römischen Soldaten verstanden ihr Handwerk. Reanimation wäre auch höchst unwahrscheinlich beim Stand der damaligen Medizin.
Was also meinte der junge Mann mit: „ER ist auferstanden!“?
Vor allem hatte er gesagt: „Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen, wie Er es euch gesagt hat.“
Wir alle kennen die Auflösung dieses Falles.
Paulus fasst es in dem Satz zusammen: „GOTT hat IHN von den Toten auferweckt.“
Aber, so müssen wir ehrlich sagen, das ist kein Beweis, das ist eine Behauptung, ein Glaubenssatz.
Hält dieser Satz den Fakten stand?
In einer Zeit, in der »Fake news« Hochkonjunktur haben, Wahlen damit manipuliert und Politik damit gemacht wird, müssen wir auch unseren österlichen Glauben einem „Faktencheck“ unterziehen. Nur zu singen: „Das Grab ist leer, der Held erwacht“ wird nicht reichen, um Menschen davon zu überzeugen, dass Jesu Auferstehung von den Toten - das, was wir heute am Ostertag feiern - der Wahrheit entspricht.
Nehmen wir uns also die Fakten vor.
Zunächst einmal „Das leere Grab“. Was beweist ein leeres Grab? Da müssen wir feststellen: Beweisen tut es gar nichts. Die Erklärungen, dass der Leichnam Jesu nicht mehr an der Stelle lag, wo man ihn nach der Kreuzigung hingelegt hatte, sind vielfältig. Das „leere Grab“ ist eher ein prächtiger Nährboden für „Fake news“, das wussten schon die Evangelisten. Der Leichnam Jesu hätte von den Gegnern Jesu gestohlen sein können oder die Jünger Jesu hätten ihn weggeschafft, um dann zu behaupten, dass er lebe und so weiter.
Das leere Grab ist eher eine Leerstelle, die man nicht leugnen, nicht abtun kann, die uns aber herausfordert, über die Botschaft, dass Jesus auferstanden ist, nachzudenken.

Ein weiteres Faktum ist der Hinweis auf „Galiläa“ den der junge Mann im Grab gab: „Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr IHN sehen.“ Damit war nicht zu rechnen, aber da sind sich alle neutestamentlichen Zeugen einig: Der, den auch seine Freundinnen und Freunde für tot hielten, ER begegnete ihnen wieder. ER redete und aß mit ihnen. Das kann man für Einbildung halten, aber wenn Paulus ungefähr 20 Jahre später schreibt: „Danach erschien er mehr als 500 Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.“ (1 Kor 15,6ff), dann hat es an Zeugen dafür nicht gemangelt. In den Gottesdiensten der Osterzeit hören wir von vielen dieser Begegnungen.
Vor allem aber waren diese Begegnungen mehr als ein nettes: „Hallo, da bin ich wieder!“. Sie waren mehr als ein Trost, dass ein liebgewordener Mensch lebt. Das wäre dann vielleicht eine reine Wunschvorstellung gewesen, wie sie bei Einzelnen schon mal vorkommt. Aber bei so vielen? Das stärkste Argument für die Wahrhaftigkeit dieser Begegnung aber ist, dass sie das Leben derer auf den Kopf stellte, die sie erlebten.
Sie liefen nicht auseinander, sondern bildeten Gemeinden.
Sie verschwiegen nicht, was sie erlebt hatten. Selbst als man es ihnen unter Strafe verbot davon zu erzählen, sagten sie: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apg 4,20)7
Das sind starke Argumente für die Echtheit ihres Erlebens, dass der, den man gekreuzigt und begraben hatte, lebt!

Es gibt aber noch ein drittes Indiz, dass für die Auferstehung Jesu als einem Faktum spricht. Der Glaube daran hat nämlich die Welt verändert, mehr als die meisten von uns glauben, denn im Zuge der Aufklärung waren ihre Protagonisten sehr geschickt, die eigenen Ursprünge zu verwischen. Wer glaubt: „Jesus lebt, mit IHM auch ich.“ der sieht die Welt und sein Leben mit anderen Augen. Von dieser „Auferstehungssicht“ sind wir so geprägt, dass uns der Ursprung manchem, was uns wertvoll und wichtig ist, gar nicht mehr bewusst ist.
Die Auferstehung Jesu und auch die Auferstehung jedes Einzelnen vom Tod zum Leben lassen sich nämlich nicht trennen. Paulus sagt das ganz klar: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden.“ (1 Kor 15,13)
Wer also an die Auferstehung Jesu glaubte, der handelte sich damit ungeahnte Konsequenzen ein.
Das eine war, dass sie oder er davon überzeugt war: Einmal werde ich ganz persönlich mein Leben vor GOTT verantworten müssen.
Der Ausweg, den Paulus durchaus noch zu seiner Zeit kennt und nach dessen Motto viele seiner Zeitgenossen lebten „Wenn Tote nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“ (1 Kor 15,32b) war ihr oder ihm verwehrt.
Christen wussten nun, dass jeder einzelne, ganz persönlich vor GOTT zählt und in Verantwortung steht. Das hat ein Philosoph unserer Tage (Larry Siedentop, Die Erfindung des Individuums) einmal die „Erfindung des Individuums“ genannt.
Und die Gläubigen wussten, dass vor GOTT nicht zählt, ob ich Freier oder Sklave, Jude oder Grieche, Frau oder Mann bin. Das war die Geburt der Gleichheit aller Menschen.
Um aber individuell und persönlich Verantwortung zu tragen, ist Freiheit die Voraussetzung. So steckt auch der Keim dieser Idee, die uns heute so wertvoll ist, eben hier in dem Glauben an die Auferstehung.

Wer dazu mehr wissen möchte, der muss nur mal das neueste Buch des Psychiaters und Theologen Manfred Lütz lesen: „Der Skandal der Skandale - Die geheime Geschichte des Christentums.“ Hier weist er sehr nachvollziehbar nach, was die meisten Historiker und Fachleute längst akzeptieren, dass die Folgen, Wirkungen und Nebenwirkungen des christlichen Glaubens kolossal sind.
Und das Zentrum unseres christlichen Glaubens ist eben das Bekenntnis, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat.

Ist es wahr? Ist Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden?
Diese Frage kann letztlich nur jede und jeder selbst für sich beantworten.
Jede und jeder muss sein Osterhalleluja selbst buchstabieren und anstimmen.
Es wird sicher unterschiedlich laut und kunstvoll ausfallen.
Wer jedoch in diesen Osterjubel einstimmt - vielleicht sich auch nur durch das Zeugnis so vieler Glaubender anstecken lässt - wird entdecken, dass sich von daher sein Leben, unsere Welt und ihre Geschichte in einem neuen Licht zeigt. Halleluja!

Pastor Wilhelm Kolks

Predigt zum "Schutzengelfest" am 02.10.2017

Predigt von Pastor Wilhelm Kolks beim Treffen der Confraternitas Borkensis

Lesung: Offb 5,11-14
Evangelium: Mt 18,1-5.10

Glauben sie, dass es Engel gibt?
Umfragen haben gezeigt, dass in Deutschland zwar nur 35% der Menschen an die Existenz eines persönlichen Gottes glauben, aber 54% von der Existenz der Engel überzeugt sind.

Engel haben Konjunktur - nur - wie mir scheint - in der Kirche nicht!
Für mich ein Grund heute einmal über Engel mit ihnen nachzudenken, denn am Freitag war das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael und heute am 2. Oktober steht in der Liturgie das „Schutzengelfest“ auf dem Kalender.

Lassen sie mich mit einer Begebenheit beginnen, die ich vor einigen Monaten mitbekam, als ich in unserem Pfarrheim zufällig hörte, wie eine junge Mutter die Leiterin einer pädagogischen Mutter-Kind-Gruppe um Rat fragte, weil ihr Kind nur bei Licht im Zimmer einschlafen wollte. Im Dunkeln hätte es immer furchtbare Angst.
Ich wollte nicht neugierig sein und bekam nicht mehr mit, was die Leiterin der Gruppe dieser Mutter riet, aber mir kam spontan der Gedanke, ich würde mit dem Kind beten, was sie vielleicht auch noch kennen:

„Abends, wenn ich schlafen geh‘,
vierzehn Englein um mich steh’n:
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zwei zu meinem Haupte,
zwei zu meinen Füßen,
zwei, die mich decken
zwei, die mich wecken,
zwei, die mich tragen ins himmlische Paradeis,
Äuglein zu und schlaf jetzt leis‘. Amen

Ist das naiv?
Vielleicht - aber Kinder haben ein Recht auf ihre „kindliche Naivität“ - sagt die Pädagogik.
Und wenn selbst Jesus sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ , dann sollten wir den - im besten Sinne - „naiven“ Glauben der Kinder ernstnehmen!

Was ist das für ein Glaube, den Jesus den Kindern zuspricht und uns als Vorbild vor Augen hält?
Sicher ist es nicht der Glaube der Kirche, wie ihn der Katechismus lehrt oder wie wir ihn im Credo bekennen. Davon haben Kinder naturgemäß keine Ahnung.
Aber Kinder haben einen starken Glauben! Sie glauben nämlich, dass jemand ihnen gibt, was sie brauchen, wenn sie Hunger haben oder die Pampers voll ist, sie in den Arm nimmt, wenn sie Angst haben und sie schützt oder tröstet, wenn sie sich wehgetan haben.

Ohne diesen Glauben an das Gute in der Welt könnten sie nicht leben, denn sie haben kein Geld um solche Zuwendung zu bezahlen und keine Macht es zu fordern. Kinder glauben einfach, dass die Welt gut ist. Wir nennen das „Urvertrauen“.

Zu diesem „Urvertrauen“, das sich ausdrückt auf den ersten Seiten der Bibel, wo es nach jedem Schöpfungstag heißt: „Und siehe, es war sehr gut“, lädt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger, und damit auch uns, ein. Es ist das Vertrauen in Gott, der es gut mit uns meint, der uns gibt, was wir brauchen, aber nicht immer, was wir uns wünschen - eben, wie gute Eltern es auch tun.

Nun - auch das lehrt uns die Erfahrung, denn wir alle sind einmal Kinder gewesen, dieser Glaube kommt notwendiger Weise in eine Krise!
Irgendwann merkt jedes Kind, ich bin nicht allein auf dieser Welt. Meine Eltern müssen sich vielleicht um ein Geschwisterkind kümmern und im Kindergarten teilt es die Aufmerksamkeit der Erzieherin mit vielen anderen Kindern. Es steht nicht mehr allein im Mittelpunkt.
Der unbedingte Glaube kommt ins Wanken, dass die Welt gut ist.
Wir Menschen sind eben begrenzte Wesen, auch im Hinblick auf die Menschen, die wir lieben, wie unsere Kinder. Wir können nicht zu jeder Zeit für sie da sein, sie überall und immer umsorgen und schützen.

Gläubige Eltern werden ihrem Kind versuchen zu vermitteln, dass Gott aber anders ist. Dass seine Liebe zu uns keine Grenzen kennt!
Aber wie soll ich das glauben bei allein 7 ½ Milliarden Menschen auf diesem Planeten? Und Kinder möchten ja noch dazu gerne haben, dass Gott auch ihren Hund, die Katze und das Meerschweinchen nicht vergisst!

Dieses Problem ist uralt!
Und - wir sollten es ernstnehmen!
Die Antwort der Bibel auf dieses Problem - was ja eigentlich eines unserer begrenzten Vorstellungskraft ist - sind die Engel!

Engel - der Name kommt vom Griechischen „Angelos“ - auf Deutsch „Bote“ - kommen in der Bibel immer dann ins Spiel, wenn Gott einen Menschen ganz persönlich meint, sich ihm zuwendet oder ihn begleitet.
Das ist so bei Abraham und Sarah (Gen 18,1 - 19,1), bei denen Gott in der Gestalt von drei Männern zu Gast bei den Eichen von Mamre zu Gast ist, die als Engel gedeutet werden (Gen 19,1; Hebr 13,2) und den beiden einen Sohn verheißt.
Das ist so bei Maria, wo es der Engel Gabriel ist, der ihr verkündet: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären.“
In einem Text des Pfarrers und Dichters Wilhelm Willms heißt es: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein - die Engel“. Das ist auch in der Bibel so.
Rafael, der in der schönen Geschichte des Buches Tobit - einem theologischen Märchen - den Tobias in ein fernes Land begleitet, lügt beispielsweise wie gedruckt, als er sich dem Vater Tobit als Reisebegleiter seines Sohnes anbietet: „Ich bin Asarja, der Sohn des großen Hananja, einer von den Brüdern deines Stammes.“ (Tobit 5,13) Erst am Ende der Geschichte gibt er sich als der zuerkennen, der er wirklich ist - ein Engel Gottes: „Ich bin Rafael, einer von den sieben heiligen Engeln Gottes.“ (Tob 12,15)

Vielleicht ist das wirklich so, dass uns Gott seine Engel sendet - also seine ganz persönliche Zuwendung schenkt - wir aber erst im Nachhinein das erkennen. Insofern hat es etwas zutiefst Wahres, wenn wir manchmal zu einem Menschen sagen: „Du bist ein Engel“.

Gott kennt mich, Er weiß um mich, Er spricht zu mir ganz persönlich, Er weiß und gibt mir, was ich - gerade auch in schwierigen Zeiten - brauche. Das ist gemeint, wenn wir von den Engeln sprechen oder das Lied singen, dessen Text Dietrich Bonhoeffer in der Gefängniszelle kurz vor seiner Hinrichtung geschrieben hat: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Es gibt noch einen zweiten Aspekt der Rede von den Engeln, den ich noch kurz anschneiden möchte.
Es sind die himmlischen Heerscharen der Engel, die Chöre der Engel, die sein ewiges Lob singen.
Nach einem Wort Jesu werden wir in unserer Auferstehung vom Tod ihnen gleich sein und Gottes Angesicht schauen.

Ich kann mir das gut vorstellen, denn ich kann mir Gott nicht beziehungslos, einsam denken. Gott ist immer Fülle des Lebens. Eine Fülle, die unsere Vorstellungskraft sprengt, die uns aber ahnen lässt, Gott ist der immer Größere, den wir mit unserem begrenzten Verstand nicht begreifen können.
Auch davon sprechen uns die Engel.

Als ich jetzt für die Erstkommunion nach Bildern suchte, in denen Kinder ihre Vorstellung von Gott zum Ausdruck bringen., entdeckte ich das eines achtjährigen Jungen. Er hatte Gott gemalt, der die ganze Erde, wie ein Riese umfasst.  In das Gesicht Gottes hatte er ganz viele Punkte gesetzt und dazu geschrieben: „Gott wohnt im Himmel und überall. Gott hat Billionen Augen.“

Ich glaube, dieses Kind hat es genau begriffen, was die Engel Gottes sind: Gott hat ein Auge auf jeden und jede von uns! Er vergisst keinen!
So dürfen wir auch das Wort Jesu in unserem Evangelium verstehen: „Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“

Aus diesem Vertrauen dürfen wir leben - davon sprechen uns die Engel.

Pastor Wilhelm Kolks