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Predigt

Hier wird die ein oder andere Predigt aus unseren Gemeinde St. Peter Spellen abrufbar sein.

02.10.2017 - Predigt von Pastor Wilhelm Kolks zum "Schutzengelfest"

Predigt zum "Schutzengelfest" am 02.10.2017

Predigt von Pastor Wilhelm Kolks beim Treffen der Confraternitas Borkensis

Lesung: Offb 5,11-14
Evangelium: Mt 18,1-5.10

Glauben sie, dass es Engel gibt?
Umfragen haben gezeigt, dass in Deutschland zwar nur 35% der Menschen an die Existenz eines persönlichen Gottes glauben, aber 54% von der Existenz der Engel überzeugt sind.

Engel haben Konjunktur - nur - wie mir scheint - in der Kirche nicht!
Für mich ein Grund heute einmal über Engel mit ihnen nachzudenken, denn am Freitag war das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael und heute am 2. Oktober steht in der Liturgie das „Schutzengelfest“ auf dem Kalender.

Lassen sie mich mit einer Begebenheit beginnen, die ich vor einigen Monaten mitbekam, als ich in unserem Pfarrheim zufällig hörte, wie eine junge Mutter die Leiterin einer pädagogischen Mutter-Kind-Gruppe um Rat fragte, weil ihr Kind nur bei Licht im Zimmer einschlafen wollte. Im Dunkeln hätte es immer furchtbare Angst.
Ich wollte nicht neugierig sein und bekam nicht mehr mit, was die Leiterin der Gruppe dieser Mutter riet, aber mir kam spontan der Gedanke, ich würde mit dem Kind beten, was sie vielleicht auch noch kennen:

„Abends, wenn ich schlafen geh‘,
vierzehn Englein um mich steh’n:
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zwei zu meinem Haupte,
zwei zu meinen Füßen,
zwei, die mich decken
zwei, die mich wecken,
zwei, die mich tragen ins himmlische Paradeis,
Äuglein zu und schlaf jetzt leis‘. Amen

Ist das naiv?
Vielleicht - aber Kinder haben ein Recht auf ihre „kindliche Naivität“ - sagt die Pädagogik.
Und wenn selbst Jesus sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ , dann sollten wir den - im besten Sinne - „naiven“ Glauben der Kinder ernstnehmen!

Was ist das für ein Glaube, den Jesus den Kindern zuspricht und uns als Vorbild vor Augen hält?
Sicher ist es nicht der Glaube der Kirche, wie ihn der Katechismus lehrt oder wie wir ihn im Credo bekennen. Davon haben Kinder naturgemäß keine Ahnung.
Aber Kinder haben einen starken Glauben! Sie glauben nämlich, dass jemand ihnen gibt, was sie brauchen, wenn sie Hunger haben oder die Pampers voll ist, sie in den Arm nimmt, wenn sie Angst haben und sie schützt oder tröstet, wenn sie sich wehgetan haben.

Ohne diesen Glauben an das Gute in der Welt könnten sie nicht leben, denn sie haben kein Geld um solche Zuwendung zu bezahlen und keine Macht es zu fordern. Kinder glauben einfach, dass die Welt gut ist. Wir nennen das „Urvertrauen“.

Zu diesem „Urvertrauen“, das sich ausdrückt auf den ersten Seiten der Bibel, wo es nach jedem Schöpfungstag heißt: „Und siehe, es war sehr gut“, lädt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger, und damit auch uns, ein. Es ist das Vertrauen in Gott, der es gut mit uns meint, der uns gibt, was wir brauchen, aber nicht immer, was wir uns wünschen - eben, wie gute Eltern es auch tun.

Nun - auch das lehrt uns die Erfahrung, denn wir alle sind einmal Kinder gewesen, dieser Glaube kommt notwendiger Weise in eine Krise!
Irgendwann merkt jedes Kind, ich bin nicht allein auf dieser Welt. Meine Eltern müssen sich vielleicht um ein Geschwisterkind kümmern und im Kindergarten teilt es die Aufmerksamkeit der Erzieherin mit vielen anderen Kindern. Es steht nicht mehr allein im Mittelpunkt.
Der unbedingte Glaube kommt ins Wanken, dass die Welt gut ist.
Wir Menschen sind eben begrenzte Wesen, auch im Hinblick auf die Menschen, die wir lieben, wie unsere Kinder. Wir können nicht zu jeder Zeit für sie da sein, sie überall und immer umsorgen und schützen.

Gläubige Eltern werden ihrem Kind versuchen zu vermitteln, dass Gott aber anders ist. Dass seine Liebe zu uns keine Grenzen kennt!
Aber wie soll ich das glauben bei allein 7 ½ Milliarden Menschen auf diesem Planeten? Und Kinder möchten ja noch dazu gerne haben, dass Gott auch ihren Hund, die Katze und das Meerschweinchen nicht vergisst!

Dieses Problem ist uralt!
Und - wir sollten es ernstnehmen!
Die Antwort der Bibel auf dieses Problem - was ja eigentlich eines unserer begrenzten Vorstellungskraft ist - sind die Engel!

Engel - der Name kommt vom Griechischen „Angelos“ - auf Deutsch „Bote“ - kommen in der Bibel immer dann ins Spiel, wenn Gott einen Menschen ganz persönlich meint, sich ihm zuwendet oder ihn begleitet.
Das ist so bei Abraham und Sarah (Gen 18,1 - 19,1), bei denen Gott in der Gestalt von drei Männern zu Gast bei den Eichen von Mamre zu Gast ist, die als Engel gedeutet werden (Gen 19,1; Hebr 13,2) und den beiden einen Sohn verheißt.
Das ist so bei Maria, wo es der Engel Gabriel ist, der ihr verkündet: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären.“
In einem Text des Pfarrers und Dichters Wilhelm Willms heißt es: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein - die Engel“. Das ist auch in der Bibel so.
Rafael, der in der schönen Geschichte des Buches Tobit - einem theologischen Märchen - den Tobias in ein fernes Land begleitet, lügt beispielsweise wie gedruckt, als er sich dem Vater Tobit als Reisebegleiter seines Sohnes anbietet: „Ich bin Asarja, der Sohn des großen Hananja, einer von den Brüdern deines Stammes.“ (Tobit 5,13) Erst am Ende der Geschichte gibt er sich als der zuerkennen, der er wirklich ist - ein Engel Gottes: „Ich bin Rafael, einer von den sieben heiligen Engeln Gottes.“ (Tob 12,15)

Vielleicht ist das wirklich so, dass uns Gott seine Engel sendet - also seine ganz persönliche Zuwendung schenkt - wir aber erst im Nachhinein das erkennen. Insofern hat es etwas zutiefst Wahres, wenn wir manchmal zu einem Menschen sagen: „Du bist ein Engel“.

Gott kennt mich, Er weiß um mich, Er spricht zu mir ganz persönlich, Er weiß und gibt mir, was ich - gerade auch in schwierigen Zeiten - brauche. Das ist gemeint, wenn wir von den Engeln sprechen oder das Lied singen, dessen Text Dietrich Bonhoeffer in der Gefängniszelle kurz vor seiner Hinrichtung geschrieben hat: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Es gibt noch einen zweiten Aspekt der Rede von den Engeln, den ich noch kurz anschneiden möchte.
Es sind die himmlischen Heerscharen der Engel, die Chöre der Engel, die sein ewiges Lob singen.
Nach einem Wort Jesu werden wir in unserer Auferstehung vom Tod ihnen gleich sein und Gottes Angesicht schauen.

Ich kann mir das gut vorstellen, denn ich kann mir Gott nicht beziehungslos, einsam denken. Gott ist immer Fülle des Lebens. Eine Fülle, die unsere Vorstellungskraft sprengt, die uns aber ahnen lässt, Gott ist der immer Größere, den wir mit unserem begrenzten Verstand nicht begreifen können.
Auch davon sprechen uns die Engel.

Als ich jetzt für die Erstkommunion nach Bildern suchte, in denen Kinder ihre Vorstellung von Gott zum Ausdruck bringen., entdeckte ich das eines achtjährigen Jungen. Er hatte Gott gemalt, der die ganze Erde, wie ein Riese umfasst.  In das Gesicht Gottes hatte er ganz viele Punkte gesetzt und dazu geschrieben: „Gott wohnt im Himmel und überall. Gott hat Billionen Augen.“

Ich glaube, dieses Kind hat es genau begriffen, was die Engel Gottes sind: Gott hat ein Auge auf jeden und jede von uns! Er vergisst keinen!
So dürfen wir auch das Wort Jesu in unserem Evangelium verstehen: „Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“

Aus diesem Vertrauen dürfen wir leben - davon sprechen uns die Engel.

Pastor Wilhelm Kolks